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Leseprobe Band 1

 

Geschichten zum Vorlesen und selber lesen für Kinder ab 5 Jahren

 

Finchen reißt aus

. . . .

Das war aufregend. Auf die leckere Pizza musste Finchen leider verzichten. Das Wichtigste ist jedoch, dass sie mit heiler Haut davon gekommen ist. Sie trottet weiter die Straße entlang, auf der es recht belebt zugeht. Da sie sich in einer Fußgängerzone befindet, laufen die Leute quer durcheinander. Niemand beachtet den kleinen Hund und sie muss gehörig aufpassen, dass sie keinen Tritt abbekommt.

Mit erhobenem Kopf, und wie an einem unsichtbaren Faden gezogen, folgt Finchen einem verlockenden Geruch.

Auf dem Marktplatz angekommen, befindet sie sich bald zwischen den Marktbuden, die in mehreren Reihen aufgestellt, ein kleines Dorf bilden. Auf dem Marktplatz herrscht ein buntes Treiben. Noch mehr Leute, mit großen Einkaufstaschen, gehen von einem Stand zum nächsten. Einer schiebt sogar ein Fahrrad durch die Menge.

Eine große Dogge, an der Leine des Herrchens, kommt Finchen durch das Gedränge entgegen. Finchen bleibt vorsichtshalber abwartend stehen. Die Dogge hat Finchen ebenfalls entdeckt und möchte zu gerne an ihr schnuppern. Finchen kriecht rückwärts unter einen Verkaufswagen, der dicht neben einem anderen Marktstand steht. Als sich die Leine der Dogge spannt, bemerkt der Mann, dass sein Hund sich von ihm entfernt und zieht in wieder zu sich zurück.

Finchen bleibt erst einmal sicherheitshalber unter dem Wagen stehen. Der Verkaufswagen hat nach vorne hin eine gläserne Verkaufstheke eingebaut. In der Auslage liegen alle möglichen Wurstsorten: Fleischwust, Salami, Leberwurst und sogar ganze Wurstketten aus Bratwürstchen und Bockwürstchen.

Die Dogge ist nun samt Herrchen in der Menge verschwunden und Finchen entspannt sich. Auf einmal wird ihr bewusst, welcher Duft in der Luft liegt. Es riecht herrlich nach allen möglichen Wurstsorten. Wie kann das sein? Wo ist sie hier? Im Hundeparadies?

An der Seite des Verkaufswagens befindet sich eine kleine Tür, die halb offen steht. Finchen kann nicht anders, sie muss unbedingt ihre Nase durch die offene Tür stecken, wo der himmlische Geruch herkommt. Sie ist tatsächlich im Hundeparadies. Vor ihrer Nase baumelt eine Bockwurst. Behutsam nimmt sie das Ende der Bockwurst zwischen die Zähne. Sie hat Erfahrung im Stibitzen und weiß, dass man das lieber heimlich und leise macht, um nicht entdeckt zu werden.

Im Verkaufswagen stehen drei Verkäuferinnen, die fleißig damit beschäftigt sind, die Kunden zu bedienen. Die Kunden stehen in drei Reihen vor der Verkaufstheke. Sie rufen alle ihre Bestellungen durcheinander, sobald sie von einer Verkäuferin Bedient werden.

Finchen hält die Wurst zwischen den Zähnen und schleicht langsam am Wagenrad vorbei, zur Gasse zwischen den Marktständen und Verkaufswagen. Sie ahnt nicht, dass die Wurst zwischen ihren Zähnen das Ende einer Wurstkette ist, die in der Auslage der Verkaufstheke liegt. Langsam kommen die anderen Würstchen hinter der ersten Wurst her.

Überrascht schreit ein Mann, der vor der Verkaufstheke steht:

„Hallo, da machen sich Würstchen selbstständig!“

Auf einmal ist es still an dem Verkaufswagen und die Leute starren in die Verkaufstheke. Dort zieht gerade eine Wursteisenbahn am Fenster vorbei. Die Verkäuferinnen staunen mit offenem Mund und starren auf die Würstchen, die langsam durch die Tür an der Seite des Wagens verschwinden.

„Hey, wer macht das?“, ruft die dickste Verkäuferin.

Eine zweite Verkäuferin greift zu einem Bockwürstchen, das sich gerade davonschleichen will, und hält es fest.

Finchen, die schon auf dem Weg zwischen den Marktständen angekommen ist, spürt plötzlich einen Ruck zwischen ihren Zähnen. Sie dreht sich um und stellt fest, dass eine ganze Reihe Würstchen hinter ihr auf dem Boden schleifen.

„Seht mal da unten“ sagt eine Frau und zeigt auf Finchen, die nun ihre Augen weit aufreißt.

Sie ist fest entschlossen, ihre Beute nicht wieder herzugeben und rast augenblicklich los. Hinter sich hört sie Geschrei und Gebrüll - und lautes, herzhaftes Lachen.

Sie flitzt zwischen verschiedenen Beinen hindurch und hält dabei die Wurst, an der noch drei andere hängen, ganz fest.

Am Ende des Marktplatzes angekommen, saust sie wieder in die Fußgängerzone, biegt zwei Straßen weiter links ab und läuft in Richtung Rhein. Bevor sie den breiten Strom erreicht, gelangt sie zu einem alten Hafenbecken, wo sie sich unter einer Bank versteckt.

Im Nu schlingt sie das Würstchen hinunter, dessen Ende sie zwischen den Zähnen festgehalten hat. Nun ist sie sehr erstaunt und erfreut, dass noch drei Würstchen die wilde Ralley durch die Straßen überstanden haben. Sogleich macht sie sich auch über diese her und vertilgt sie alle nacheinander.

Nun hat sie einen kugelrunden Bauch und kann sich kaum bewegen. Was liegt also näher, als unter der schattigen Bank ein Nickerchen zu machen?

Eine ganze Weile ist vergangen, nachdem Finchen eingeschlafen ist. Sie träumt, dass sie zu Hause unter dem Holunderstrauch liegt und hört die Stimmen von den Zwillingen. Sie öffnet die Augen, um mit den beiden zu spielen. Doch nicht Fabian und Meike stehen neben ihr. Ein fremder Junge und ein Mädchen sind vor der Bank in die Hocke gegangen, um sich Finchen genauer anzuschauen.

„Na, meine Kleine.“, sagt das Mädchen.

„Ja komm‘ mal her.“, lockt der Junge sie freundlich.

Finchen kommt unter der Bank hervor und lässt sich von den beiden streicheln.

„Wem mag sie wohl gehören?“ fragt das Mädchen den Jungen.

Der Junge greift zum Halsband, an dem ein kleines Metallröhrchen hängt. Er entfernt das Röhrchen und öffnet es. Darin befindet sich ein Zettel, auf dem der Name, die Adresse und eine Telefonnummer stehen.

„So, Finchen heißt du also.“, sagt der Junge, und streichelt ihr erneut über den Kopf.

Kein Mensch hält sich in der Nähe auf. Daraus schließen die beiden, dass sich der Hund hier ohne Besitzer aufhält.

„Bleib du hier bei dem Hund.“, sagt der Junge, „ich werde nach Hause laufen und die angegebene Telefonnummer anrufen. Bestimmt wird der Hund schon vermisst.“

Und wie Finchen vermisst wird!

Die Zwillinge sind total aufgeregt, seit sie aus der Schule zurück sind und gemerkt haben, dass Finchen verschwunden ist.

Sie haben mit ihrer Mutter die Gegend großräumig abgesucht. Sie sind durch den Wald gelaufen, wo Elke immer mit ihr spazieren geht, und haben bei einigen Nachbarn geläutet. Doch alles war vergebens.

Endlich klingelt das Telefon und Elke nimmt den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Junge und sagt, dass er einen Dackel entdeckt hat, der offensichtlich ohne Besitzer unterwegs ist. Die Telefonnummer hat er in dem Metallröhrchen an dem Halsband gefunden.

Das ist eine freudige Nachricht! Fabian und Meike tanzen und jubeln vor Begeisterung.

Erstaunt darüber, dass Finchen so weit weg von zu Hause ist, machen sich Elke und die Zwillinge auf den Weg in die Stadt. Sie parken den Wagen in einem Parkhaus und laufen durch die Altstadt bis zu dem alten Hafenbecken, wo die beiden Kinder mit Finchen spielen.

„FINCHEN!“ rufen die Zwillinge gleichzeitig, als sie die Kinder mit dem Hund entdecken, und laufen los.

Finchen schaut zu Fabian, Meike und Elke, die hinterher kommt, und läuft ihnen entgegen.

So eine Freude. Finchen hüpft wie verrückt um die Zwillinge herum und wedelt mit dem ganzen Hinterteil. Jetzt erst stellt sie fest, wie sehr sie ihre Familie vermisst hat.

„Na, Finchen.“, sagt Elke. „Wie bist du denn so weit von zu Hause weg hierhin gekommen?“

 

Das wird wohl Finchens Geheimnis bleiben - und wir verraten auch nichts.

 

 

 

ISBN: 9783839136645

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